Bericht Impuls 2010:

Sola Pradella 2010: Spiel des Lebens – von Geburt bis Beerdigung

Haben Sie sich auch schon gewünscht, Sie hätten die Zeit des verwöhnten Baby- und Kleinkindalters „aktiv“ mitgenossen und könnten sich daran erinnern, wie Sie es auskosteten, einfach nichts tun zu müssen oder im schlimmsten Fall zu schreien, damit Mami mit der Flasche ans Kinderbett hechtete? Die 40 Teilnehmer des Sommerlagers der Action Biblique und FEG Schweiz hatten das Privileg, diese Zeit in den ersten paar Lagertagen mitzuerleben. Ob es im Kinderwagen (Schubkarre) tatsächlich so bequem war und der Babybrei (Mousse aux légumes) immer noch die Lieblingsspeise darstellte, darüber hätte man wohl streiten können. Wenigstens konnte für einmal niemand etwas einwenden, wenn man mit den Händen ass. Die Teenager wurden auch mit der vor ihnen liegenden Lebenszeit konfrontiert. So setzte sich der aufmüpfige Teenie anderntags bereits hinters Steuerrad. In romantischer Stimmung tauchte er mit einer geheimnissvollen „Schachtel“ (2 Toastscheiben) auf, und machte dem jungen Mädchen mir nichts dir nichts einen Heiratsantrag. Bald schon wurde seine Geduld bei Besuchen im Altersheim geprüft. Eines Morgens dann stand der alte Mann nicht mehr auf. Bei trauriger Musik konnte man ihn im Sarg ein letztes Mal betrachten. Dieses Erlebnis wirbelte in den lebensfrohen jungen Menschen ein paar Stürme auf. „Das war zu heftig!“, so die Reaktion einiger Teilnehmer. War es das?
Die knapp zwei Wochen, die wir mit den Teenagern im neu umgebauten Lagerhaus in Pradella (GR) verbringen durften, boten genügend Zeit, um wertvolle Beziehungen zu knüpfen, und das nötige Vertrauen aufzubauen, das einen Menschen bereit macht, den anderen etwas tiefer als nur an die sonst wohl gewahrte Schale des Herzens blicken zu lassen. Einmal mehr wurde mir klar: Nein, Themen wie Leid und Tod waren keineswegs unangebracht. Es machte mich traurig und sogar wütend, wenn ich in die leeren Augen dieser jungen Menschen blickte und realisierte, welch kaputte Seelen sie widerspiegelten. Wie gut und wichtig, ihnen eine Botschaft der Hoffnung weitergeben zu dürfen – und was für ein Wunder, wenn dieselben Augen plötzlich anfingen zu strahlen, und, so schien es mir, über den Tod hinweg einen Blick in die Ewigkeit erlaubten.

Lois Zürcher, August 2010

 
 
 
 

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